Amtsgeheimnisse - Der Gemeindebund-Podcast

#49 Amtsgeheimnisse vor Ort: Wenn der Bürgermeister eine Pause braucht - Patrick Strobl über seine Burnout-Erfahrung

Episode Summary

In dieser Folge von „Amtsgeheimnisse vor Ort“ spricht Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl mit dem Melker Bürgermeister Patrick Strobl offen über dessen Burnout-Erfahrung, eine mehrwöchige Auszeit und die Erkenntnisse, die er daraus für sein Amt und seinen Alltag gewonnen hat. Bürgermeister Patrick Strobl: „Es kann jedem so gehen. Jeder kann in so eine Situation kommen.“ Themen dieser Folge: -Warum ein Burnout heute kein Tabu mehr sein darf -Warnsignale früh erkennen -Pause vom Amt – wie funktioniert eine Gemeinde, wenn der Bürgermeister plötzlich nicht da ist? -Wie es nach einer Pause weitergeht -Persönliche Tipps für Kolleginnen und Kollegen

Episode Notes

Was passiert, wenn ein Bürgermeister plötzlich merkt: Es geht nicht mehr? In dieser Folge von „Amtsgeheimnisse vor Ort“ spricht Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl mit dem Melker Bürgermeister Patrick Strobl über ein Thema, über das in der Politik noch immer viel zu selten offen gesprochen wird: mentale Überforderung und Burnout.

Strobl erzählt, wie sich bei ihm über Wochen hinweg Warnsignale bemerkbar machten. Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit und eine zunehmende Lustlosigkeit gegenüber Dingen, die ihm eigentlich Freude bereiteten, führten schließlich zu einer klaren Erkenntnis: Er brauchte professionelle Unterstützung.

„Der Körper plötzlich sagt: Stopp. Du musst die Stopptaste drücken“, erzählt Patrick Strobl. Nach der Aufnahme im Landesklinikum Mauer folgte eine mehrwöchige stationäre Rehabilitation. Dabei ging es nicht nur darum, wieder gesund zu werden, sondern auch um die Frage, welche Faktoren zur Überforderung beigetragen hatten. Strobl spricht unter anderem über die zusätzlichen Belastungen, die Bürgermeister während der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krise und angesichts der angespannten Gemeindefinanzen bewältigen mussten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage, was passiert, wenn eine Führungskraft plötzlich ausfällt. Strobl erzählt offen über seine ungeplante Auszeit: Sein Handy blieb ausgeschaltet, erreichbar war er nur für seine Frau und den Vizebürgermeister. Im Rathaus übernahmen der Vizebürgermeister und die Stadtamtsdirektorin gemeinsam mit dem Team die notwendigen Aufgaben. „Wenn es einmal so weit ist, hat man keinen Kopf und keine Zeit mehr, noch irgendetwas zu organisieren“, erinnert sich der Bürgermeister.

Auch die Reaktionen der Bevölkerung und des politischen Umfelds kommen zur Sprache. Von wilden Gerüchten bis hin zu großer persönlicher Unterstützung reichten die Reaktionen auf seine Abwesenheit. Besonders positiv erlebt Strobl den Zusammenhalt im Gemeinderat und in seinem politischen Team. Aus seiner Erfahrung leitet er konkrete Empfehlungen für Betroffene ab: Frühwarnsignale ernst nehmen, die Zahl der Termine reduzieren, bewusst Pausen einplanen und professionelle Hilfe nicht als Schwäche betrachten. Denn: „Es kann jedem so gehen. Jeder kann in so eine Situation kommen“, betont der Bürgermeister und ergänzt: „Aber man kann sich professionelle Hilfe holen. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig.“

Heute achtet Strobl stärker auf einen strukturierten Tagesablauf, Bewegung, Familienzeit und klare Grenzen bei der Erreichbarkeit: „Früher habe ich auch noch abgehoben, wenn mich abends um 23 Uhr jemand wegen einer Nichtigkeit angerufen hat. Heute denke ich mir: Das hat Zeit bis morgen.“

Eine persönliche und offene Folge über Verantwortung, Grenzen, Führung – und darüber, warum es manchmal Stärke bedeutet, rechtzeitig auf die Stopptaste zu drücken.