Amtsgeheimnisse - Der Gemeindebund-Podcast

#50 Schule neu denken: Bildungsminister Christoph Wiederkehr über Kindergarten, Gemeinden und Reformen

Episode Summary

In dieser Folge von „Amtsgeheimnisse – der Gemeindebund-Podcast“ ist Bildungsminister Christoph Wiederkehr zu Gast bei Gemeindebundpräsident Johannes Pressl. Wiederkehr erzählt von seinem eigenen Weg vom Schulsprecher bis ins Bildungsministerium und spricht darüber, warum ihn die Bildungspolitik bereits seit seiner Schulzeit beschäftigt. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, wie das österreichische Bildungssystem zukunftsfitter, qualitätsvoller und zugleich einfacher organisiert werden kann. In dieser Folge von „Amtsgeheimnisse“ geht es unter anderem um: -Vom Schulsprecher zum Bildungsminister -Kindergarten als erste Bildungseinrichtung -Einheitliche Qualitätsstandards für ganz Österreich -Wie soll der Kindergarten künftig finanziert werden? -Gemeinden entlasten -Qualität darf nicht zur Kostenfalle werden -Personal in der Schule: „aus einer Hand“ -Mehr Autonomie für Schulen -Sechsjährige Volksschule?

Episode Notes

In dieser Folge von „Amtsgeheimnisse – der Gemeindebund-Podcast“ ist Bildungsminister Christoph Wiederkehr zu Gast bei Gemeindebundpräsident Johannes Pressl. Wiederkehr erzählt von seinem eigenen Weg vom Schulsprecher bis ins Bildungsministerium und spricht darüber, warum ihn die Bildungspolitik bereits seit seiner Schulzeit beschäftigt. „Das, womit ich damals unzufrieden war, nämlich dass die Schule zu wenig aufs Leben vorbereitet“, erzählt Wiederkehr seinen Antrieb sich politisch zu engagieren.

Im Mittelpunkt des Podcast-Gesprächs steht die Frage, wie das österreichische Bildungssystem zukunftsfitter, qualitätsvoller und zugleich einfacher organisiert werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt dabei liegt auf der Elementarpädagogik: „Die Kindergartenzeit ist unglaublich prägend. Da lernen wir Bindung das erste Mal in einem sozialen System abseits der Familie. Deswegen möchte ich diese Veränderung beschleunigen, den Kindergarten als eine der wichtigsten Bildungseinrichtungen zu sehen“, sagt Wiederkehr im Gespräch. Hinsichtlich Finanzierung der künftigen Elementarpädagogik sagt Wiederkehr: „All die Töpfe, die gemeinsam finanziert sind, sollen zu einem kommen, nämlich einer Finanzierung des Bundes für das Kindergartenwesens, neben den Landestöpfen, die natürlich weiter bestehen bleiben“, so seine Pläne.

Im Podcast spricht der Bildungsminister auch über das Thema Volksschule und die künftige Organisation des Unterstützungspersonals. Wiederkehr bestätigt den jahrelangen Wunsch des Gemeindebundes, die verschiedenen Personalgruppen stärker aus einer Hand zu organisieren und finanzieren. Gleichzeitig soll mehr Schulautonomie dafür sorgen, dass Schulen flexibler auf die konkreten Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler reagieren können.

Hinsichtlich der sechsjährigen Volksschule meint der Bildungsminister, dass sowohl die Wissenschaft, als auch der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeige, dass Schülerinnen und Schüler in Österreich mit zehn zu früh in Mittelschule und Hauptschule getrennt werden. „Wege zu wählen und zu finden, wie man ein gemeinsames Lernen länger stattfinden lässt, ist pädagogisch sinnvoll“, argumentiert er die sechsjährige Volksschule. Nach den Plänen des Bildungsministers soll diese als Schulversuch starten und auf freiwilliger Teilnahme erfolgen. „Nur wenn dieser Versuch angenommen wird von Bürgermeistern, aber auch von Schulhaltern, von der Schulgemeinschaft getragen wird, wird dieses Projekt weiter Gestalt annehmen und sich verbreitern“, sagt Christoph Wiederkehr.

Im Gespräch mit Johannes Pressl gibt der Bildungsminister auch Antworten auf die Frage des Umgangs mit heißen Klassenzimmern durch den fortschreitenden Klimawandel. Sein Ministerium beschäftige sich in dieser Frage genauso mit Fragen der Schulinfrastruktur – beispielsweise Klimaanlagen, aber auch der Sanierung von Gebäuden. Andererseits müsse es mehr Flexibilität in der Schulautonomie geben, wenn es um eine Verkürzung des Unterrichts oder beispielsweise der Absage von Turnstunden bei über 35 Grad gehe.

Abschließend spricht sich der Bildungsminister für eine Entrümpelung der Lehrpläne an Schulen aus. „Es ist immer Wissen dazugekommen in der Gesellschaft und ist in der Schule immer on top dazugegeben worden. Doch wenn neues dazukommt, müssen wir auch etwas wieder wegnehmen. Und das fällt uns Menschen immer schwer, nämlich uns von etwas loszulösen. Aber diesen Mut müssen wir aufbringen“, so der Bildungsminister abschließend im Podcast-Gespräch mit Johannes Pressl.